Wirtschaftsbeziehungen mit Nordkorea? Experten informieren beim Wirtschaftstag von OAV und DKW

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Im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen in Berlin fand im Roten Rathaus ein Nordkorea Wirtschaftstag des Deutsch-Koreanischen-Wirtschaftskreises e. V. (DKW) und des Ostasiatischen Vereins e. V. (OAV) statt. Jürgen Wöhler, Vorsitzender des DKW begrüßte die anwesenden Gäste und vergegenwärtigte dem Publikum die aktuelle Situation sowie die Entwicklung Koreas in den vergangenen Jahren anhand eines kurzen Diavortrages. Anschließend erläuterte Hartmut Koschyk MdB, Vorsitzender der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe des Bundestages und Präsident der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft e. V., die politische Lage auf der koreanischen Halbinsel. Vom Verhalten Nordkoreas im derzeitigen Atomstreit und von der widersprüchlichen Auslegung der getroffenen Vereinbarungen zeigte sich Koschyk nicht überrascht. Abschließend stellte Hartmut Koschyk seine eigenen Erfahrungen, welche er durch Reisen nach Korea sammeln konnte, vor.

Einen tieferen Einblick in die Situation in Nordkorea vermittelte die ehemalige deutsche Botschafterin Doris Hertrampf. Sie war 4 Jahre im diplomatischen Dienst in Pjöngjang tätig, wodurch sie genaues Wissen über Land und Leute erlangen konnte. Die ehemalige Botschafterin stellte ihre Sicht der aktuellen politischen Lage mit anschaulichen Beispielen und Erläuterungen dar. Die Nordkoreaner hegten ein übertrieben hohes Sicherheitsbedürfnis, welches nicht nur das Land selbst in die Isolation treibe, sondern auch die Weltgemeinschaft gegen Nordkorea aufgebracht habe, so Hertrampf.

Ministerialrat Dr. Dr. Hans-Christian Reichel, als Referatsleiter für Außenwirtschaftspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit zuständig unter anderem für China, Taiwan, Nordkorea und die Republik Korea erörterte die wirtschaftliche Lage Nordkoreas anhand einiger Statistiken und Zahlen. Bekleidung, Hifiprodukte und Werkzeuge machen den größten Anteil an Einfuhren der Demokratischen Volksrepublik nach Deutschland aus, so Hans-Christian Reichel. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung von 12,5 Mrd. USD und offenen Forderungen in beträchtlicher Höhe würden keine Hermesbürgschaften mehr für den Handel mit Nordkorea übernommen. Reichel riet in diesem
Zusammenhang zu großer Vorsicht bei Geschäften mit Nordkorea.

Die Gründe und Ziele des Engagements der Friedrich-Naumann-Stiftung in der Demokratischen Volksrepublik stellte der Projektleiter Korea, Ulrich Niemann, vor. Seine Stiftung reagierte auf die ersten zögerlichen ökonomischen Reformen von 2002, die neuerliche Öffnung nach Außen und die gestiegene Nachfrage nach Fortbildungsmaßnahmen. Ulrich Niemann veranschaulichte die Ziele des Engagements durch Erzählungen von persönlichen Begegnungen mit nordkoreanischen Seminarteilnehmern. Der Stiftung seinen vor allem die Unterstützung des Reformprozesses und die Vermittlung marktwirtschaftlicher Kenntnisse wichtig.

Ergänzend zu ihren Vorrednern erklärte Ruth Schneider, Regional Manager beim OAV für Japan, Korea und Südasien, anhand von Graphiken und Statistiken einige ausschlaggebende Kennzahlen als Indikatoren für die wirtschaftliche Lage Nordkoreas.

Abschließend hielt Dr. Michael Schmidt-Thomé, Abteilungsleiter bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, einen Vortrag über eine Erkundungsreise bezüglich Bodenschätze und die etwaig daraus resultierenden ausländischen Investitionen in Nordkorea. Schmidt-Thomé verdeutlichte dem Publikum, dass Bodenschätze in Nordkorea zwar vorhanden seien, die Menge oft aber zu gering sei und der üblichen Reinheit nicht entspreche. Die von der Regierung Nordkoreas angegebenen Daten bezüglich der Qualität der Bodenschätze seien – bis auf wenige Ausnahmen – nicht glaubhaft oder nachweisbar. Weiterhin klärte er über die ungünstigen Investitionsbedingungen und die oft katastrophale Infrastruktur in der Demokratischen Volksrepublik Korea auf.

Abschließend nahm das Publikum, welches aus Vertretern der Wirtschaft und aus Korea-Interessierten bestand, die Möglichkeit wahr, mit den Vortragenden eine rege Diskussion zu führen.