MdB Koschyk auf Delegationsreise in Süd-Korea und China
„Deutschland hat ein vitales Interesse in der Region“
Die lange geplante Reise des Präsidenten der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft und Vorsitzenden der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe, Hartmut Koschyk, auf die koreanische Halbinsel und China begann mit einem unmissverständlichen Signal an die Machthaber in Nord-Korea. „Ein fruchtbarer Dialog mit der nordkoreanischen Seite ist unter diesen Voraussetzungen unmöglich!“
Mit diesen deutlichen Worten sagte Hartmut Koschyk den für Nordkorea vorgesehen Teil seiner Reise kurzfristig ab. Die Kriegswarnung der kommunistischen Diktatur an Südkorea, die aggressive Missachtung der Beschlüsse der Vereinten Nationen und willkürliche Einreiseverweigerung für deutsche Journalisten, die den Abgeordneten nach Nordkorea begleiten wollten, waren die Gründe für die klare Absage in Richtung Pjöngjang. Koschyk wollte sich persönlich über die Umsetzung der Unterstützung der Welthungerhilfe sowie die Lage der Christen in dem autoritären Staat informieren.
Im Gespräch: MdB Koschyk mit dem neune UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und dem Leiter der Münchenersicherheitskonferenz und langjährigen Kohl-Berater, Horst Teltschik.
Der Terminkalender für Süd-Korea und China war dennoch prall gefüllt. Neben den Gesprächen über die Sicherheitslage in der Region nach den Nukleartests Nordkoreas bildeten die Fragen der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Möglichkeiten Deutschlands und insbesondere Oberfrankens in der Wachstumsregion Nordostasien den Schwerpunkt der Reise. So wohnte Koschyk der Einweihung von vier neuen Instituten des German Korea Institute of Technologie (KGIT) bei, zu der auch der Vizepräsident der Universität Bayreuth, Georg Krausch nach Bayreuth gekommen war. „Die Universität Bayreuth ist ein begehrter Partner für Korea“, betonte Koschyk. Längst seien enge Verbindungen von Oberfranken nach Südkorea geknüpft. Unter dem Dach von KGIT sollen unter internationaler Beteiligung Forschung und Entwicklung wirtschaftsnah gefördert werden. „Von einer engen wissenschaftlichen und technologischen Kooperation werden beide Länder profitieren“, unterstrich Koschyk auch am Rande der Auftaktveranstaltung von Bundesministerin Dr. Annette Schavan für die Kampagne „Deutschland und Korea – Partner in Forschung und Entwicklung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Seoul. An dieser Veranstaltung nahm auch ein Vertreter des Kompetenzzentrums „Neue Materialien“ aus Bayreuth teil.
MdB Koschyk mit dem militärischen Berater des koreanischen Verteidigungsministeriums, General Ha Jung-Yul, und dem deutschen Militärattaché Oberst Bernd Giebner.
In der Südkoreanischen Hauptstadt traf Koschyk zudem mit dem neuen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zusammen, der sich für die deutsche Unterstützung bei seiner Wahl bedankte. Koschyk kennt Ban Ki Moon bereits aus dessen Zeit als Südkoreanischer Außenminister und ist vielfach mit ihm in Seoul und Berlin zusammengetroffen. Im Zentrum dieses politischen Gedankenaustausches stand die Perspektive der Sechs-Parteien-Gespräche (USA, Russland, China, die koreanischen Staaten und Japan) zur Entspannung im ostasiatischen Raum. „Am Ende des Prozesses könnte eine Art Nord-Ost-Asien-KSZE stehen“ skizziert Koschyk. Der UN-Generalsekretär versprach, so bald wie Möglich der Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Deutschlandbesuch zu folgen.
MdB Koschyk mit Frau Bundesministerin Schavan sowie dem deutschen Botschafter in Seoul, Herrn Dr. Norbert Baas (l.), und dem Präsidenten der Deutsch-Koreanischen Industrie- und Handelskammer in Seoul, Herrn Dieter Brinkmann (r.)
Auch in den Gesprächen mit den hohen chinesischen Politikern standen die nordkoreanischen Atomtests im Mittelpunkt. So hart wie nie zuvor habe Nordkorea seinem kommunistischen Nachbarn Nordkorea klargemacht, dass er sich auf einem Irrweg befinde. Auch Peking sei nun zu schärferen Sanktionen bereit, fasst Koschyk zusammen, falls Nordkorea nicht zum Einlenken bereit ist. Die Gespräche in Peking hätten jedoch auch gezeigt, dass China keinen grenzenlosen Einfluss auf das Regime in Pjöngjang hat. Koschyk begrüßte in diesem Zusammenhang die Veränderung der US-Position in der Nordkorea-Frage, wonach die amerikanische Site nunmehr bereit ist, auch direkte Gespräche mit Nordkorea im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche zu führen.
MdB Koschyk mit dem Präsidenten der Nationalversammlung der Republik Korea, Lim Chae-jung.
„Die Region Nordostasien mit China, Japan und der koreanischen Halbinsel ist von größter Bedeutung für uns Deutsche“, resümiert Koschyk am Ende der Delegationsreise. Es bieten sich weitere erhebliche Entwicklungsmöglichkeiten und ein Potenzial für die deutsche Wirtschaft und Wissenschaft vor Ort. Dafür brauche die Region jedoch vor allem Stabilität. „Die führende Exportnation Deutschland hat ein vitales Interesse an Sicherheit, Zusammenarbeit, wirtschaftlicher Entwicklung und Frieden im nord-ost-asiatischen Raum.“ Um hierzu Nordkorea aus der Isolation in die Staatengemeinschaft zurückzuführen, sei jedoch noch ein langwieriger Vertrauensbildungsprozess notwendig. „Hier brauchen wir einen sehr langen Atem. Aber nach der Kuba-Krise hatte auch niemand gedacht, dass Ost und West je zusammenfinden“, zeigt sich Koschyk leicht hoffnungsvoll. Koschyk hat auch eine weitere neue Aufgabe im Rahmen der deutsch-koreanischen Beziehungen übernommen. Er dem ehemaligen Zeit-Herausgeber Dr. Theo Sommer als deutscher Ko-Vorsitzender des 2002 von beiden Regierungen ins Leben gerufenen Deutsch-Koreanischen-Forums nach. In dieser Funktion bereitet er das nächste Deutsch-Koreanische Forum im Herbst 2007 in München vor.
Hartmut Koschyk MdB überreicht im Beisein des Vertreters der Hanns-Seidel-Stiftung in Korea, Bernhard Seliger, dem Präsidenten der Koreanisch-Deutschen Gesellschaft, Dr. Huh Young-Sup, ein Exemplar der Sonderausgabe der Koreana aus Anlass des 40-jährigen Bestehens der Gesellschaft.



