Lyriker Kim Kwang-Kyu auf Lesereise in Erfurt, Weimar und Göttingen vom 07.06 - 19.06.2009

in Austausch

 

 Lesung mit Wulf Kirsten (v.l.) und Kim Kwang-Kyu (zw.v.l.)

 

 

Lesung im Campus-Cafe Hilgenfeld der Unuiversität Erfurt. (v.l. Frau Dr. Bräsel) 

 

Lesereise des bekannten koreanischen Lyrikers  und Kulturmittlers KIM Kwang-Kyu   

Seit 2003 bestehen Austauschbeziehungen zwischen der Universität Erfurt und renommierten Seouler Universitäten. Studenten aus Korea studieren in Erfurt und auch deutsche Studenten sind inzwischen in Seoul als Studierende eingeschrieben.

So vermag es nicht zu verwundern, dass auch Lesungen südkoreanischer Autoren in Thüringen eine gute Tradition haben.  Im Jahre 2004 las Lee Hochol in Erfurt und Jena aus seinem autobiografisch geprägten Roman „Menschen aus dem Norden – Menschen aus den Süden“ - erstmals im Osten Deutschlands und fand viel Beachtung.   2008 stellte der Poet KO Un in Erfurt seinen im Wallstein Verlag in Göttingen erschienenen Gedichtband „Beim Erwachen aus dem Schlaf“ (ins Deutsche übertragen von KIM Miy-He und Sylvia Bräsel) einem sehr zahlreichen wie interessierten Publikum vor. 

In diesem Sinne wurde auch 2009 die bewährte Zusammenarbeit mit dem  KLTI in Seoul fortgesetzt, indem mein Antrag auf Förderung der Lesereise des Lyrikers, Germanisten, Übersetzers und Kulturmittlers KIM Kwang-Kyu von koreanischer Seite bewilligt wurde. Begleitet wurde der Autor von seiner Ehefrau und Übersetzerin CHONG Heyong, die gemeinsam mit mir die Stationen und Schwerpunkte der einzelnen Lesungen vorbereitete. Zudem ist der Universität Erfurt – insbesondere der Vizepräsidentin für Auslandsbeziehungen Frau Professor Wijlens und der Leiterin des Internationalen Büros Frau Linde - für die Einladung und Übernahme der Übernachtungskosten im Gästehaus der Universität Erfurt  zu danken.  Sehr erfreulich ist zudem, dass für dieses Experiment  „kulturübergreifender Poesie“ auch die Literarische Gesellschaft Thüringen e.V. gewonnen werden konnte.  

Den Auftakt bildete so ein Lesedialog in der Eckermann-Buchhandlung im Zentrum der Klassiker-Stadt Weimar  am 9. Juni 2009.

Der bekannte Weimarer Lyriker Wulf Kirsten las an diesem sehr gut besuchten Abend gemeinsam mit seinem Autoren-Kollegen KIM Kwang-Kyu Gedichte, die sehr schnell spürbar machten, dass wir in einer Welt leben. Das Übersetzen von detailliert erschauter Menschenkunde ins dingnahe Wort scheint beiden Dichtern Bedürfnis zu sein. Nicht zuletzt haben Grenzen, Eingrenzungen, Ausgrenzungen und andere Grenzerfahrungen (in einem geteilten Land) ihre Werke auf spezifische Weise vorangetrieben und ihren Blick geweitet. Der akribische Literaturhistoriker und „Flurgänger“ Kirsten (* 1934)  aus der sächsischen Provinz bei Meißen weiß wie der in die atemberaubende Industrialisierung eines Bauernlandes in kürzester Zeit unter dem „Modernisierungs-Diktator“ Park Chong-Hee hineingeborene KIM Kwang-Kyu (*1941)  um das Unwiederbringliche der „alten dörfer hinter den hügelriffen“ oder der „Seelenberge“ und „Halbmondbären“.  Das Publikum (ca. 80 Besucher) reagierte begeistert, als KIM Kwang-Kyu ein Gedicht von Wulf Kirsten auf Koreanisch in einer eignen Übertragung las und Wulf Kirsten zwei Gedichte von Kim Kwang-Kyu aus dem Band „Die Tiefe der Muschel“ (Pendragon Verlag Bielefeld) in deutscher Übertragung vortrug. Die Veranstaltung, die von mir moderiert wurde,  spricht zugleich für den praktischen Wert dieses literarischen Joint Venture –Produkts – denn viele Besucher nahmen die Einladung zu der stärker als Austausch-Forum zu Fragen von Literatur und „Über-Setzen“ konzipierten Lesung am 10. Juni 2009 im Campus-Cafe Hilgenfeld der Universität Erfurt an. Hier wurde mit einer DVD über Korea, moderner Pop-Musik, Postern und Info-Materialien der Kulturabteilung der Koreanischen Botschaft und einer Einführung zum Autor eingestimmt. Etwas 85 Studenten, aber auch Erfurter Bürger, waren gekommen um in zwangloser Atmosphäre Lyrik auf Koreanisch und Deutsch (vorgetragen von KIM Kwang-Kyu, CHONG Heyong und mir) zu hören. Interessiert wurden die kleinen Sequenzen von CHONG Heyong und Sylvia Bräsel zum Thema „Über-Setzen“ in die andere Sprache und Kultur aufgenommen. An diesen „Blickwechsel“ schlossen sich eine Reihe von Fragen an den Lyriker und seine Übersetzerin an. Nach fast zwei Stunden bedankten sich die Studenten mit Erfurter Schokolade für diese interessante Lektion in Kulturaustausch.

Am 11. Juni 2009 hatten die Studenten meines Spezialseminars „Reise in die (eigene) Fremde“ den Lyriker und seine Frau zu einer Lesung mit Gespräch eingeladen. Gut vorbereitet diskutierten sie mit den beiden Gästen Texte und Kontexte der Gedichte aus ihrer Sicht.

Am Ende wurde dem koreanischen Lyriker symbolisch mit einem Erfurt-Schirm die „Schirm-Herrschaft“ über das Seminar verliehen  Ein Foto-Termin mit den Studenten (aus Deutschland, Korea, China, Japan, Mexiko, Litauen) beendete den ereignisreichen Vormittag.

 

Am 16. Juni 2009 schloss eine Veranstaltung im Literaturhaus Göttingen die sehr erfolgreiche Lesereise des Lyrikers Kim Kwang-Kyu – unterstützt vom Team Chong Heyong und Sylvia Bräsel -  ab.   

Die Wahl fiel übrigens nicht zufällig auf Göttingen.  Hier ist der renommierte Wallstein Verlag mit seinen Verlegern Thedel von Wallmoden und Thorsten Ahrend beheimatet, deren Interesse an koreanischer Literatur über die Veröffentlichung des  Bandes „Beim Erwachen aus dem Schlaf“ geweckt wurde. Nun ist ein Lyrikband von KIM Kwang-Kyu bei Wallstein geplant. Das ist aus meiner Sicht ein besonders schönes Resultat der auch als „Kontaktbörse“ gedachten Lesereise. 

Und: nicht zuletzt lebt und arbeitet der bekannte Literaturwissenschaftler und Initiator der Reihe „Text + Kritik“ - Heinz-Ludwig Arnold -  in Göttingen.  Arnold ist nunmehr Herausgeber des renommierten neuen Kindlers Literatur-Lexikons. Es wird im September 2009 erscheinen und zur Frankfurter Buchmesse wohl gebührend präsentiert. Es freut mich persönlich ganz besonders, dass ich als von Heinz-Ludwig Arnold berufene Fachberaterin für koreanische Literatur der Gegenwart  initiieren konnte, dass erstmals viele repräsentative Autorinnen und Autoren der Hanguel- Generation etc. „im Kindler“ vertreten sein werden.  In diesem Sinne hatte die persönliche Einladung für KIM Kwang-Kyu in das Haus von Heinz-Ludwig Arnold an diesem Tag eine weitreichende Bedeutung, die optimistisch für die weitere Entwicklung des deutsch-koreanischen Literaturaustausches stimmen sollte!

 

                                                                                                   Dr.   Sylvia  B r ä s e l

                                                                                                    Universität Erfurt