Korea: Wirtschaftliche und räumliche Entwicklungen

in Bildung, Kultur, Gesellschaft, Politik & Wirtschaft

„Ressourcen sind beschränkt – die menschliche Kreativität ist unbeschränkt.“ Dieses Motto, das sich häufig über den Eingängen südkoreanischer Firmen findet, spiegelt die Mentalität der Menschen wider, die Südkorea vom Agrarstaat zu einer der führenden Industrienationen der Erde machten.

Diese und andere Einblicke in die wirtschaftliche und räumliche Entwicklung Koreas vermittelten die Vorträge, die am 18. September 2005 in den Räumlichkeiten der Gesellschaft für Erdkunde in Zusammenarbeit mit der Deutsch - Koreanischen Gesellschaft stattfanden. Zwei hochkarätige Korea-interessierte und –erprobte Wissenschaftler waren als Referenten geladen und hatten ein breites Publikum angezogen.

So beschrieb Prof. Dr. Eckhart Dege von der Universiät Kiel anhand eines Diavortrages mit dem Titel „Nordkorea-Südkorea: Die ungleichen Brüder“ zunächst sehr anschaulich die historischen Hintergründe, die zur Teilung Koreas führten. Während Nordkorea bis heute der Ideologie folgt, sich vom Weltmarkt abzukoppeln, um nicht in Abhängigkeit zu geraten, kam es in Südkorea 1961 durch einen Militärputsch zum ökonomischen Umschwung, der in sechs Phasen mit sogenannten „Importsubstituierenden“ oder aber „exportorientierten“ Schritten in die Industrialisierung führte. Heute befinden sich in Südkorea unter anderem die größte Werft der Welt und das erste Stahlwerk der Welt, das „just in time“ arbeitet. Die Zukunft des prosperierenden Landes, dem in der Automobilindustrie China als Konkurrent gegenüber steht, liegt in forschungsintensiven Zweigen. Ganz anders Nordkorea, dessen 1990er Jahre von Hungersnöten und dem wirtschaftlichen Zusammenbruch geprägt waren. 40 % der Bevölkerung leben mittlerweile von ausländischen Hilfslieferungen. Ein weiteres Problem ist die starke Militarisierung, die 20 % des Bruttosozialprodukts verschlingt.

Prof. Dr. Robert Hassink von der Universität Oslo zeigte den industriellen Strukturwandel und die Regionalentwicklung in Südkorea am Beispiel von Textil- und Schiffbauindustrie auf. Während der Schiffbau als eine traditionelle Industrie von langen Arbeitszeiten, gut ausgebildeten Arbeitern, Serienfertigung, einer diversifizierten Produktpalette und dem starken Ausbau der Zuliefererindustrie profitiert und damit weiterhin die Weltmarktführerschaft für sich beansprucht, kommt es in der Textilindustrie vermehrt zur De-Industrialisierung.

Vortrag der Gesellschaft für Erdkunde in Zusammenarbeit mit der Deutsch - Koreanischen Gesellschaft