Erfolgreiche Fachtagung der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft in Berlin

in Veranstaltungen

Die Deutsch-Koreanische Gesellschaft veranstaltete in Berlin vom 27.bis 29. Juni 2008 die Fachtagung „Die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung Koreas – Perspektiven für die Zusammenarbeit mit Deutschland“. Gegenstand der Veranstaltung waren die Chancen und Herausforderungen, die sich aufgrund der politischen Veränderungen zwischen Deutschland und der Republik Korea ergeben. Neben den Fachbeiträgen von koreanischen und deutschen Referenten aus der Wirtschaft und Forschungs bot die Veranstaltung viel Raum für Begegnungen und kreativen Gedankenaustausch unter den Teilnehmern.    

Begrüßung durch den Schatzmeister der DKG Herr Sieweke 

  

Am vergangenen Freitag hatte die Deutsch-Koreanische Gesellschaft nach Berlin eingeladen, um mit renommierten Referenten aus Forschung und Wirtschaft die Herausforderungen und Veränderungen zu diskutieren, die sich aufgrund der neuen koreanischen Regierung für die Beziehungen zwischen der Republik Korea und Deutschland ergeben. Die Fachtagung konzentrierte sich dabei auf die Wirtschaftspolitik der Lee Myung-Bak Regierung und versuchte durch eine große Themenbreite verschiedene Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit Deutschland zu diskutieren. Mit einer Einführungsrede von Herrn Sieweke Schatzmeister der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft (DKG), und einem Grußwort von Professor Min-Soo Chang von der Sunmoon Universität wurde die Fachtagung in Berlin eröffnet. Nach den beiden Rednern folgte die Aufführung der koreanischen Trommlergruppe „Uri“. Mit lauten Trommelschlägen und koreanischer Fächerakrobatik tauchten die Gäste dann für einen kurzen Augenblick in die Vielfalt der koreanischen Kultur ein. Beim anschließendem Büffet und einem kleinen Umtrunk konnten die sich Gäste gegenseitig kennenlernen und so wurden bis in die Abendstunden interessante Gespräche geführt.

Koreanische Tanzgruppe 'Uri' 

 

  

Am Samstagmorgen wurde die Veranstaltung durch Herrn Tobias Stern, Generalsekretär der DKG, eröffnet. Die Fachbeiträge durch Professor Hogyun Kim von der Myongji Universität und Dr. Brochlos von der Freien Universität Berlin beleuchteten die Wirtschaftspolitik der neuen koreanischen Regierung und bildeten somit die Basis für die folgenden Beiträge.  

Professor Kim skizzierte im ersten Teil seiner Rede die geplanten Veränderungen der neuen Regierung. Er zeigte den wirtschaftsfreundlichen Kurs von Lee Myung-Bak auf, der sich u. a. zum Ziel gesetzt hat, durch niedrigere Steuern und Sozialabgaben und Großprojekte, wie dem Bau eines Kanals die Infrastruktur in Korea zu verbessern und gleichzeitig die Bauindustrie anzukurbeln. Mit der Formel „747“ wurden die wirtschaftspolitischen Ziele von Lee Myung-Bak zusammengefasst, die Professor Kim kurz erklärte. Die Formel steht für: sieben Prozent Wachstum, ein Pro-Kopf-Einkommen von 40 000 Dollar im Jahr, siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Im zweiten Teil seiner Rede nahm Professor Kim kritische Stellung zu den Zielen der neuen Regierung und erklärte, dass nach seiner Auffassung, diese Ziele unrealistisch sein. Besonders das Kanalprojekt, bei dem zwei große Flüsse durch einen Kanal verbunden werden sollen, damit ein Wasserweg von Nord nach Süd den südlichen Teil der Halbinsel durchzieht, stößt in Korea auf große Kritik. 

Dr. Brochlos sprach in seinem Vortrag über die Perspektiven über die Nord-Süd Beziehungen nach dem Amtsantritt der neuen Lee Myung-Bak Regierung. In seiner interessanten Präsentation berichtete er aus seinen mehr als 30 Jahren Erfahrungen mit Nordkorea. In seiner Analyse der nordkoreanischen Medien wurde die stetige Verschlechterung der Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea seit dem Amtsantritt durch Lee Myung-Bak veranschaulicht. Mit kleinen Anekdoten aus seinen Reisen in den Norden Koreas fesselte Dr. Brochlos das Publikum, die noch Stunden seinen Reiseberichten hätten lauschen können. 

Gespräch Dr. Brochlos (Fu-Berlin) und Kreusch (PwC)  

Nach einer kurzen Kaffeepause wurde die Fachkräfteentwicklung in Korea hinterfragt und die Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland diskutiert. Professor Kang-Sik Kim von der Aerospace Universität zeigte die Tendenzen und Aufgabe des Human Resource Managements in Korea auf. Anschaulich erklärte er in einer umfangreichen Präsentation die Auswirkungen des demografischen Wandels und den Rückgang der Fachkräfte in Korea. Er sprach die Maßnahmen der neuen Regierung Koreas an, um diesem Rückgang zu begegnen und beleuchtete kurz, welche Rolle eine Kooperation mit Deutschland in diesem Zusammenhang spielen kann. Für die anwesenden Gäste war der Aspekt neu, dass auch in Korea ein Mangel an ausreichend qualifizierten Fachkräften besteht und ein Umdenken in der Aus- und Fortbildung des Personals stattfinden muss. 

Präsentation von Professor Kim

Im Anschluss folgte ein Beitrag von Herrn Kreusch, Mitarbeiter der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, eine der größten Prüfungsgesellschaften weltweit. Er skizzierte den Wirtschaftsstandort Deutschland aus der Sicht koreanischer Firmen und pries die gute Ausgangssituation und Fördermöglichkeiten für ausländische Firmen an. Deutschland wird als strategischer Partner im Mittelpunkt Europas angesehen und biete für viele ausländische Firmen einen lukrativen Wirtschaftsstandort an. Besonders im Raum Frankfurt am Main haben viele koreanische Firmen ihre Niederlassung.   

Nach einem ausgiebigen Mittagessen wurden die Entwicklungen der Wirtschaftsbeziehungen und Perspektiven für Deutschland und Korea diskutiert. Professor Min-Soo Chang von der Sunmoon Universität präsentierte in seinem Vortrag die komparativen Vorteile im Außenhandel von Industriegütern zwischen Korea und Deutschland. Besonders der Sektor Schifffahrt stellt für deutsche Unternehmen einen lukrativen Absatzmarkt in Korea dar. Mit seinen umfangreichen Berechnungen zum Export und Import hob Professor Chang die Exportstärke deutscher Industriegüter nach Korea an. 

Gemeinsames Mittagessen mit dem Präsidenten der DKG Hartmut Koschyk MdB

Im zweiten Beitrag dieser Blockveranstaltung berichtete Frau Schneider vom Ostasiatischen Verein über die Chancen und Herausforderungen deutscher Unternehmen in Korea und die Auswirkungen der koreanischen Wirtschaftspolitik. Frau Schneider bestätigte die Berechnungen von Professor Chang und zeigte auf, dass deutsche Unternehmen u. a. in den Sektoren Chemie, Maschinenbau und der Halbleitertechnik in Korea einen starken Absatzmarkt gefunden haben. In Korea sind mehr als 200 deutsche Unternehmen vertreten, mit Investitionen von über sieben Milliarden US-Dollar. Die Wirtschaftsbeziehungen sind stabil und der Entwicklungsstand in den Schlüsselbranchen ist sehr hoch. Korea verfügt über gut ausgebildetes Personal und das zu relativ günstigen Kosten. Wenn die Zufriedenheit des Kunden weiterhin an erster Stelle gestellt wird, Netzwerke ausgebaut und langfristiges Engagement und Geduld gezeigt werden, dann wird sich der Erfolg für deutsche Unternehmen in Korea auch in Zukunft verbessern, da bereits jetzt eine enge Verflechtung beider Wirtschaften besteht und Korea ein wichtiger Partner für die deutsche Industrie in Asien ist. 

Präsentation Professor Chang und Frau Ruth Schneider 

Nach einer verdienten Kaffeepause wurden im letzten Block dieser Veranstaltung die internationalen Wirtschaftsbeziehungen und Implikationen der Neuausrichtung der koreanischen Wirtschaftspolitik durch Professor Werner Pascha von der Universität Duisburg-Essen diskutiert. Aufbauend auf den vorherigen Präsentationen analysierte Professor Pascha die wirtschaftlichen Bestrebungen der neuen koreanischen Regierung hinsichtlich Erfolgsaussichten und Nachhaltigkeit. Er stellte den Zielkonflikt zwischen der Stabilisierung einer regionalorientierten Marktwirtschaft und einer gleichzeitigen Liberalisierung der Wirtschaftsbeziehungen zum Ausland dar. Einleuchtend zeigte Professor Pascha am aktuellen Beispiel der Rindfleischimporte aus den USA, wie schwierig es für die koreanische Regierung ist, einerseits die eigene Marktwirtschaft anzukurbeln, andererseits aber nicht Außenhandelsbeziehungen dabei zu gefährden. Der Import von Rindfleisch sollte die Kosten für Fleisch im Inland reduzieren und gleichzeitig eine Harmonisierung zu den USA bewirken, doch die Proteste der koreanischen Bevölkerung machen es der jetzigen Regierung sehr schwer, beide Ziele gleichzeitig zu verwirklichen. Weiterhin zeigte Professor Pascha die Vorteile einer Freihandelszone für Korea auf und veranschaulichte, wie Korea als Hauptprofiteur aus einer regionalen Freihandelszone mit China und Japan hervorgehen könnte. 

Gespräch zwischen Koschyk und Professor Pascha 

Nach den vier Blockveranstaltungen war das Thema Wirtschaftspolitik der neuen koreanischen Regierung der Republik Korea - Perspektiven für die Zusammenarbeit mit Deutschland durch verschiedene Beiträge und Vorträge umfassend betrachtet und diskutiert worden. Das Ziel der Fachtagung den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, an aktuellen politischen Themen teilzuhaben und mit Experten zu sprechen und Fragen zu diskutieren wurde somit erfüllt. 

  

Am Abend fanden sich die Teilnehmer und Referenten dieser Veranstaltung dann noch zu einem gemeinsamen Abendessen ins koreanische Restaurant „Gung-Jeon“ ein, das für seine exzellente koreanische Küche in Berlin bekannt ist. Das Echo der Teilnehmer war sehr positiv und die Stimmung im Restaurant ausgelassen. Die vielen Erkenntnisse, die auf der Tagung gewonnen wurden, war für die Teilnehmer eine große Bereicherung und auch die Referenten haben die Möglichkeit genutzt, durch eine breite Themenwahl viele neue Aspekte kennen zu lernen. Es wurde sich ausgiebig unterhalten und manchmal auch noch diskutiert, doch alle waren sich einig, dass es eine gelungene Veranstaltung war. In einer kurzen Rede bedankte sich Herr Hartmut Koschyk, Präsident der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft, bei allen Teilnehmern dieser Fachtagung und freute sich, dass die Tagung von allen Beteiligten so positiv aufgenommen wurde.  

Restaurant Gung-Jeon 

  

  

Am Sonntag folgte noch der Besuch des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude mit anschließendem Kaffee-Empfang im Restaurant auf der Kuppel des Reichstages. Das Wetter war angenehm und bei Kaffee und Mini-Plundergebäck haben die Gäste eine herrliche Aussicht über Berlin genossen. Der Besuch im Dachgarten bildete somit den würdigen Abschluss dieser gelungenen Veranstaltung.

Eingang des im Reichtagsgebäude

  

Eingangshalle im Reichstagsgebäude 

 Plenarsaal mit den Teilnehmern

Restaurant auf der Kuppel des Reichstages 

Gemeinsames Gruppenbild