Posted on 21. Sep, 2005 by Jan Oliver Scheller
in Austausch, Bildung, Kultur, Gesellschaft, Politik & Wirtschaft, Veranstaltungen
Der Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Horst Köhler, eröffnete
am Montag, 19. September 2005, im Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt
zusammen mit dem Regirenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit,
und dem Minister für Kultur und Tourismus der Republik Korea, CHUNG
Dong Chea, die 5. Asien-Pazifik-Wochen (APW) 2005.
Der Vorsitzende der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe und
Präsident der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft, Hartmut Koschyk
MdB, und Dr. Heinrich von Pierer, Vorsitzender des
Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, gehörten zu den
Gästen des
Festaktes im Konzerthaus. Koreas Minister für Kultur und Tourismus,
CHUNG Dong Chea, bedankte sich für das große Interesse an seinem Land.
Die APW stehen in diesem Jahr ganz im Zeichen der Republik Korea. Die
Republik Korea gestaltet den Länderschwerpunkt der
5. Asien-Pazifik-Wochen vom 19. September bis zum 2. Oktober 2005,
nachdem 1999 Japan, 2001 China und 2003 Indien im Mittelpunkt der APW
standen. Doch auch Veranstaltungen zu den übrigen Ländern der
asiatisch-pazifischen Region von Australien bis zur Mongolei, von
Japan bis Pakistan sind wie immer herzlich willkommen.
Künstler aus dem Gastland begrüßten die Berliner bereits vor dem
Festakt mit einem Festumzug und traditioneller Musik. Die koreanische
Militärkapelle "Ministry of National Defense Band" spielte auf dem
Gendarmenmarkt traditionelle koreanische Musik und auch die Grußworte
des Bundespräsidenten Horst Köhlers und des koreanischen Ministers für
Kultur und Tourismus, Chung Dong Chae, wurden durch den Auftritt eines
traditionellen koreanischen Orchesters umrahmt.
Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich der Eröffnung der Asien-Pazifik-Wochen in Berlin
Die
Asien-Pazifik-Wochen kommen zur rechten Zeit. Ich glaube, es ist gut,
dass wir heute den Blick auch nach draußen richten - nach Asien. Die
Welt ist in Bewegung, und es gibt keinen Zweifel mehr: Der Aufstieg
Asiens wird von Dauer sein.
Die Asien-Pazifik-Wochen finden traditionell in Berlin statt, und das
passt: Im Frühjahr habe ich in Tokio das Deutschlandjahr eröffnet und
dafür geworben, dass die Japaner die großen Chancen nutzen, die unser
Land bietet. Heute schließt sich ein Kreis: Ich werbe in Berlin dafür,
dass wir in Deutschland begreifen, welche Chancen, aber auch welche
Herausforderungen mit dem Aufstieg Asiens für uns verbunden sind.
Der ökonomische Aufstieg Chinas und Indiens, die Wiederkehr Japans, das
sogenannte Wirtschaftswunder am Han-Fluss und die Erfolgsgeschichte der
neuen Tigerstaaten haben in der gesamten asiatisch-pazifischen Region
eine Dynamik entfacht, die dem internationalen Wettbewerb zunehmend
ihren Stempel aufdrückt. Das bereitet manchen Menschen in den
traditionellen Industriestaaten auch Sorgen. Viele fürchten um die
Zukunft ihrer Arbeitsplätze. Diese Sorgen sind nicht unbegründet.
Natürlich müssen wir uns Gedanken um die politische Gestaltung der
Globalisierung machen. Sie muss allen Völkern Nutzen bringen und darf
keines marginalisieren. Ich halte dies für möglich. Nicht möglich wird
es aber sein, dem Wettbewerb junger, buchstäblich hungriger Völker
auszuweichen. Das wäre auch nicht mit dem Ziel von Gerechtigkeit für
alle Menschen auf dem Globus vereinbar.
Nach dem enttäuschenden Ergebnis der Diskussion über eine Reform der
Vereinten Nationen gilt für mich umso mehr: Wir müssen
partnerschaftlich zu einer Weltgesellschaft zusammenwachsen, in der
sich die Völker gegenseitig unterstützen und wechselseitig voneinander
lernen. Dass wir tatsächlich Partner sein können, hat die große
Hilfsbereitschaft für die Opfer des Tsunami eindrucksvoll bewiesen. Und
lernen können wir in Deutschland und in Europa einiges von den
ökonomisch aufstrebenden Ländern in Asien: Ich denke an die
Bereitschaft, Neuem aufgeschlossen gegenüberzustehen,
Herausforderungen anzupacken und an die eigene Stärke zu glauben.
Nicht vergessen sollten wir im Übrigen, dass die alten Industriestaaten
in Asien vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie wir. Auch Japan und
Korea beispielsweise müssen ihre Gesellschaften dem demographischen
Wandel und der Dynamik der Globalisierung anpassen. Präsident Roh hat
mir bei seinem Staatsbesuch vor einigen Monaten von den ehrgeizigen
Reformen berichtet, die er unter dem Motto "Wandel bedeutet Hoffnung"
verwirklichen will. Der Lernprozess ist also keine Einbahnstraße von
Ost nach West; wir müssen wechselseitig voneinander lernen. Ich freue
mich deshalb sehr, dass Korea Schwerpunktland der diesjährigen
Asien-Pazifik-Wochen ist. Deutschland und Korea verbindet traditionell
viel: 30.000 Koreaner wohnen seit Jahrzehnten in Deutschland. 5.000
koreanische Studenten besuchen deutsche Hochschulen. Beide Länder haben
die Erfahrung der Teilung gemeinsam. Wir Deutsche haben das Glück der
Wiedervereinigung vor 15 Jahren erlebt. Dieses Glück wünschen wir von
Herzen auch unseren koreanischen Freunden.
Kulturell teilen Deutsche und Koreaner die Begeisterung für klassische
Musik und - nicht zuletzt - für den Fußball. Die großartige Stimmung
bei der WM 2002 in Japan und Korea ist bei uns unvergessen. Dieses
Vorbild spornt uns an, bei unserer Weltmeisterschaft im kommenden Jahr
gute Gastgeber für Freunde zu sein. Ich hoffe, dass es uns auch
gelingen wird, die Weltmeisterschaft als Bühne zu nutzen, um
Deutschland als ein vorwärts strebendes Land der Ideen zu präsentieren.
Meine Damen und Herren, im letzten Jahr diente dieses Schauspielhaus
als Kulisse für eine Neuverfilmung von Jules Vernes Klassiker "Reise um
die Welt in 80 Tagen". "Die Welt ist groß." So sagt zu Beginn des
Romans ein Londoner Clubmitglied skeptisch zu den Chancen, einen
flüchtigen Bankräuber zu fassen. "Das war einmal", antwortet der
Romanheld Phileas Fogg - und umrundet die Welt tatsächlich in 80 Tagen.
1872 war das eine großartige Leistung. Schon Phileas Fogg lernt die
Welt aber nicht mehr richtig kennen. Die Reise verkommt zur
Kuriositätenschau, hinter der die Wirklichkeit der bereisten Länder
verschwindet. Ich habe manchmal den Eindruck, dass es uns Bewohnern des
"globalen Dorfes" kaum anders geht. Wir wissen scheinbar immer mehr.
Wir sind fast unbegrenzt mobil. Aber diese Mobilität entspricht nicht
einem Mehr an Erfahrung und Erleben. Ich verstehe die
Asien-Pazifik-Wochen als ein Angebot, dies zu ändern. Die
Asien-Pazifik-Wochen sind mehr als eine Messe. Sie bieten neben den
Wirtschaftstagen auch Musik, Tanz, Theater, Meditation und
Wissenschaft. Ich hoffe, dass die Besucher von außerhalb und die
Berliner dieses Angebot nutzen. Asien ist mehr als Wirtschaft. Nur wenn
wir uns Zeit nehmen für alle Aspekte dieser Region, für die
Wirklichkeit der Menschen, für die Fragen, die sie bewegen, für den
kulturellen Reichtum der Region, nur dann ist ein echter Dialog
möglich, nur dann wird die Globalisierung zu einem Zeitalter, in dem
die Menschen zueinander finden und gemeinsam handeln, nur dann wird
unsere Reise um die Welt zu einem echten Erfolg.