Rezension: Samguk Yusa Legenden und Wundergeschichten aus den Drei Königreichen Koreas

in Bildung, Kultur, Gesellschaft, Buchbesprechung
Aus dem chinesischen Originaltext ins Deutsche übersetzt von Dr. Beckers-Kim Young-ja unter Mitarbeit von Prof. Dr. Rainer E. Zimmermann und versehen mit seinem Nachwort.

464 Seiten; Gebunden; ISBN 3-936912-39-4; EUR 24,80; EB-Verlag, Hamburg 2005.

 

  Auf der Frankfurter Buchmesse war Korea in diesem Jahr Gastland. Ein wichtiges Kulturgut des Landes wurde in deutscher Übersetzung vorgestellt und fand eine sehr freundliche Aufnahme.Die Chronik Samguk Yusa, mit Legenden und Wundergeschichten aus den Drei Königreichen aus dem 13. Jahrhundert, gehört als Nationalschatz zum Kulturerbe Koreas. Zum Verständnis des Ursprungs und der Charakteristika der koreanischen Kultur ist dieses Werk unbedingt zu empfehlen. Es enthält zahlreiche wundersame und mystische Erzählungen, die aufgrund ihrer übersinnlichen und fantastischen Ereignisse zwar einen etwas anderen, aber dennoch vergleichbaren Lesespaß wie die griechische Mythologie bieten. Vor allem spielen die buddhistischen Sagen eine bedeutende Rolle. Die 138 Geschichten, aus denen die Chronik besteht, bewegen sich in verschiedenen literarischen Genres und bezeugen die Herausbildung eines eigenen koreanischen Nationalgeistes, der sich noch heute als Quelle der Inspiration erweist und diese Chronik zum nationalen Kulturgut ersten Ranges macht. Für Koreaner ist diese Chronik ein unsterbliches Werk. Ilyeon, der Verfasser, mehrmals ausgezeichnet mit den höchsten Titel eines „Staatslehrers“, lebte zuletzt als Abt des Klosters Ingak, wo er sein Werk vollendete. Ingak-sa, unter Abt Ilyeon einst lebhaftes Zentrum des Seon (Zen)-Buddhismus, war fast 700 Jahre vergessen; das Reich Goryeo (Koryeo) wurde 1392 durch das neu entstandene Joseon-Reich (Choson) abgelöst. Dieses Reich nahm den Konfuzianismus als Staatsdoktrin auf und verfolgte den Buddhismus, der bis dahin als Staatsreligion auf der Halbinsel die Grundlage für Politik und Gesellschaft war. Erst in den letzten Jahren entdeckte der Abt Sang-in die  historische Bedeutung des Klosters wieder. Er gründete zusammen mit Wissenschaftlern und mit Hilfe der Nationalregierung und des Regierungsbezirks Gun-wi, in dem sich das Kloster befindet, die Ilyeon-Gesellschaft. Er begann, das Klostergebäude zu restaurieren und das historische Klostergelände auszugraben. Es soll wieder zu einem Zentrum buddhistischen Glaubens werden.Das nunmehr endlich vorliegende Buch ist also einerseits ein historisches Dokument aus einer Zeit aus der ohnehin nur begrenzt schriftliche Quellen vorhanden sind, andererseits erschließen sich dem geneigten Leser damit die koreanische Tradition und Wurzeln der Philosophie. Die Widmung der Ausgabe erfolgte auf der Buchmesse durch den Abt Sang-in, den jetzigen Vorsteher des Klosters, in einer sehenswerten buddhistischen Zeremonie.