Koschyk sprach vor koreanischen Studenten über Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Ländern

Koschyk sprach vor koreanischen Studenten über Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider LändernBAYREUTH- Über 30 Studenten aus Südkorea verbringen derzeit im Rahmen eines Auslandssemesters ihre Studienzeit an der Universität Bayreuth. Was lag da näher, als den parlamentarischen CSU-Landesgruppengeschäftsführer und Bayreuther Bundestagabgeordneten Hartmut Koschyk zu einer Seminarveranstaltung in der Reihe interkulturelle Germanistik einzuladen. Koschyk gilt als profunder Kenner der koreanischen Halbinsel. Er ist Präsident der deutsch-koreanischen Gesellschaft, Vorsitzender der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe und hat in dieser Eigenschaft bereits viele Reisen sowohl nach Nord- als auch nach Südkorea unternommen. Die zahlreichen Parallelen zwischen Deutschland und Südkorea standen deshalb auch im Mittelpunkt der Lehrveranstaltung an der Universität. Während Deutschland bis zum 3. Oktober 1990 in Ost und West geteilt war, ist es Korea noch heute in Nord und Süd. „Wir haben es im Süden mit einer freien, offenen und modernen Gesellschaft zu tun und im Norden mit einer kollektivistischen und dem Militär untergeordnetem Volk“, sagte Koschyk zu den Studenten. Parallelen sah der Abgeordnete auch im Annäherungsprozess. Während die so genannten „Zwei-plus-Vier-Gespräche“ der deutschen Wiedervereinigung vorausgegangen waren, fänden derzeit in Korea „Sechs-Parteiengespräche“ statt, um die Annäherung voranzubringen. Allerdings gebe es auch gewaltige Unterschiede. Während die Überwindung der deutsch-deutschen Teilung von vielen europäischen Ländern kritisch gesehen wurde, weil noch viele Menschen zum Beispiel in Frankreich unter der deutschen Aggression gelitten hätten, sei von Korea nie eine Bedrohung ausgegangen. Nach den Worten Koschyks sei Korea vielmehr stets Opfer der Machtpolitik anderer gewesen. Zum Prozess der Annäherung gehörten auch die zahlreichen Hilfsprojekte unter deutscher Beteiligung zu Gunsten der Menschen in Nordkorea. So gehe es etwa darum, Bäckereien aufzubauen, die Schulspeisungen für Kinder durchführen oder um Hilfen für die Landwirte in der Region beim Anbau und der Verarbeitung von Gemüse und Weizen. 40 nordkoreanische Ärzte seien derzeit an deutschen Kliniken im Rahmen von Aus- und Fortbildungsmaßnahmen beschäftigt, während sich auf der anderen Seite auch deutsche Ärzte in Nordkorea engagieren. All diese Projekte würden von Nordkorea gut akzeptiert, wenn es auch bei der Überwachung immer wieder intensive Debatten mit den zuständigen Stellen gebe. Mittlerweile werde sogar in den staatlich kontrollierten Medien darüber berichtet und vor Ort sei immer wieder auch die Dankbarkeit und Freude der Menschen zu spüren. Die Hilfsprojekte bezeichnete Koschyk auch als einzige Chance, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Anders als in Südkorea beschränkten sich die Beziehungen in Nordkorea ansonsten nur zur offiziellen Regierungsebene. Dennoch sollten auch künftig sämtliche wirtschaftlichen und humanitären Hilfen stets an mehr menschliche Begegnungsmöglichkeiten geknüpft werden. Genauso sei es auch im Vorfeld der deutschen Wiedervereinigung gewesen. Koschyk: „Jeder Annäherungsprozess kann nur gelingen, wenn auch die Menschen zusammenkommen.“